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SAATGUTARBEIT – EIN WICHTIGES ALTES HANDWERK

Vielfältiges saisonales Gemüse ist die Basis für gesunde Ernährung. Mit der Kultivierung und bäuerlichen Saatgutzüchtung von Gemüse entstanden vielerorts durch Selektion und Handarbeit verschiedenste regionale Sorten, die auch an die jeweiligen Standorte angepasst waren. Während der Industrialisierung verarmte die Gemüsevielfalt in ihrer Diversität, im Nährstoffgehalt und Geschmack. Wie in fast allen unseren Lebensbereichen ist auch das Saatgut auf einem globalisierten Markt zu Hause: Tomaten- aus Thailand, Zucchini- aus Indien, Salat-Saatgut aus Chile.

Sorten wie das Oststeirerkraut oder die Steirische grüne Bohne sind lange Zeit nur im Archiv von Erhaltungs-Organisationen wie der Arche Noah in Schiltern gelagert worden. Klimatische Veränderungen und Extrem-Wetterperioden wie Wintertrockenheit, Hitze, Starkregen, Orkanwinde und Hagel fordern mit einer Dringlichkeit robuste, regional angepasste Sorten, den Anbau einer großen Vielfalt an Kulturen und Sorten, um spontan entstehende Kulturausfälle auszugleichen, ein.

Saatgutarbeit ist ein altes, aufwändiges bäuerliches Handwerk. Die Entwicklung, Sichtung, Züchtung und Selektion, benötigt viel Zeit, Geduld, Ausdauer, enormes Wissen und ein gutes, erfahrenes Auge. Aber auch bekannte Sorten wie der Grazer Krauthäuptel benötigen nach wie vor Züchtungs-Handarbeit, um ihr typisches Sortenbild zu behalten.
Saatgutarbeit heißt: Nicht nur in Jahreszeiten sondern in Jahrzehnten zu denken. Sehr wenige bäuerliche Gemüsebetriebe nehmen sich dieses alten aufwendigen Handwerks an. 

Der Bio-Gemüsebetrieb GELAWI Jaklhof setzt sich mit dem Projekt Samenkorn in Bäuer*innenhand zum Ziel, in 10 Jahren bei jeder der etwa 65 Gemüsekulturen zumindest eine eigene, den Standortbedingungen angepasste Hofsorte zu entwickeln und daraus Saatgut zu gewinnen. Dieses Saatgut darf in Form von Gemüse und Jungpflanzen in der Region Hügel- und Schöckelland wachsen und genossen werden und in einigen Jahren wird auch direkt Saatgut erhältlich sein.

Regional entwickelte Sorten sind der Grundstein der Ernährungssouveränität der Menschen. Bäuerliches Saatgut ist lebens-not-wendig. Darum säen wir Zukunft!