Unsere Werte

Kleinstrukturierte Landwirtschaft

Kleinstrukturierte Landwirtschaft meint Betriebe, die nahezu ausschließlich im regionalen oder nationalen Kontext tätig sind. Ein weiteres Kriterium ist die Betriebsgröße. Je nach Definition sprechen wir von Höfen, die maximal 10 Hektar groß sind. Das klingt genau so, wie man sich in Österreich einen Bauernhof vorstellt, oder?
Tatsächlich liegt Österreich mit einem Anteil von 40% an Kleinbetrieben deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 77%. 

Doch gerade kleinstrukturierte Betriebe sind für eine Region unverzichtbar. Sie sind die Nahversorger einer Region, indem sie ihre Produkte oft selbst vermarkten oder lokale und regionale Märkte beliefern. Oft sind es gerade kleine Betriebe, die durch ihren Innovationsgeist und ihre Neugier neue Produkte einführen und den Großen zeigen, was alles möglich ist. Bunte Tomaten, österreichischer Ingwer, regional produzierte Süßkartoffeln? Danke Kleinbauern! 

Kleinstrukturierte Betriebe sind nicht nur Nahversorger einer Region, sie sind auch Arbeitgeber. So ist ein Viertel aller in der Landwirtschaft Beschäftigten auf kleinen Betrieben tätig. 

Kleine Landwirtschaften neigen ebenfalls viel eher zu einer ökologischen Ausrichtung und sind maßgeblich an der Erhaltung der österreichischen Kulturlandschaft mit ihren bewirtschafteten Almen, ihren Feldern und Wiesen beteiligt. 

 

Weitere Informationen findet ihr in dem Bericht zum Projekt “Kleinlandwirtschaft”, das von Michael Groier geleitet wurde. (https://dafne.at/projekte/kleinlandwirtschaft)

Standortanpassung

Beim ersten Kennenlernen ist man immer etwas nervös und man weiss nicht genau wie man sich verhalten soll. Nach einigen Jahren aber, passt’s dann wie Topf und Deckel. Oder halt wie Pflanze und Boden. Standortanpassung bedeutet, dass die Pflanzen zu den Umgebungsbedingungen passen. Dabei spielt sowohl der Boden als auch das Klima eine große Rolle. Eine Sorte, die über Jahre im trockenen, kontinentalen Klima von Niederösterreich vermehrt wurde, findet im illyrischen Klima der Steiermark schwierige Bedingungen vor. Die Pflanzen müssen plötzlich mit einer hohen Luftfeuchtigkeit umgehen, die sie bis jetzt nicht erlebt haben.
Auch wenn die Gemüsesorte vielleicht nicht an den Standort angepasst ist, Schädlinge sind es ganz bestimmt. Besonders Pilzerkrankungen sind sehr gut an ihre Umgebung angepasst und führen bei unvorbereiteten Sorten schon mal zu Totalausfällen. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist die Samtfleckenkrankheit bei Paradeisern. Während sie im trockenen Niederösterreich eine Ausnahmeerscheinung darstellt, ist ein Anbau von Tomatensorten, die über keine Robustheit dagegen verfügen, in der Steiermark praktisch chancenlos. 

Um Sorten an den Standort anzupassen, müssen diese über Jahre unter gleichen oder ähnlichen Bedingungen angebaut werden. So gewöhnen sie sich von Saison zu Saison besser an ihre Umgebung und lernen mit den örtlichen Herausforderungen gut umzugehen.

Bäuerliche Saatgutarbeit

Bäuerlich Saatgutarbeit ist ein altes Handwerk, das leider in Vergessenheit geraten ist. Früher war es ganz normal, dass Bäuer:innen ihr Saatgut selbst selektiert und vermehrt haben. Die schönsten und robustesten Pflanzen wurden nicht geerntet. Sie blieben im Garten oder am Feld, haben geblüht, Samen produziert. Erst dann wurde das Saatgut dieser Pflanzen geerntet und im nächsten Jahr wieder ausgesät. So entstanden vielerorts robuste und perfekt an den Standort angepasste Regional- und Hofsorten. Sorten, um die sich heute vor allem Erhaltungsorganisationen, wie die Arche Noah, kümmern. 

Doch ganz so einfach, wie eben beschrieben, ist Saatgutarbeit natürlich nicht. Um geeignete Pflanzen für die Vermehrung zu finden, braucht es ein erfahrenes, geschultes Auge. Schließlich möchte man möglichst nur die guten Eigenschaften der Pflanzen in die nächste Saison mitnehmen. Man muss sich überlegen, welche Eigenschaften besonders wichtig sind und die Pflanzen danach bewerten. Die Pflanzen müssen dann markiert, eventuell umgesetzt oder gar im Lager überwintert werden, je nach Kultur. Wenn die Pflanzen anfangen Blüten zu bilden, sind sie meist bereits so groß, dass sie gestützt werden müssen. Sobald die Pflanze blüht, beginnt die kritische Phase: Werden die Blüten gut bestäubt oder muss man gar nachhelfen? Sind ähnliche Pflanzen in der Nähe, mit denen sie sich verkreuzen können? Dann müssen sie isoliert werden. Manche Blüten dürfen auf keinen Fall zu nass werden! Diese brauchen dann ein Dach. 

Wenn alles gut geklappt hat, steht, sobald die Samen reif sind, die Ernte an. Darauf folgen zwei Schritte: die Saatgutreinigung und die Trocknung. Die Kultur und Reinigungstechnik bestimmen die Reihenfolge. Manche Samen sind bereits bei der Ernte ziemlich sauber, manche müssen gedroschen und mit Sieben gereinigt werden. Andere werden nass gereinigt, manche werden von Hand ausgelöst. Jetzt ist es endlich soweit, unser Saatgut kann jetzt gelagert werden und ist bereit für die Aussaat in der nächsten Saison. 

Ernährungssouveränität

Ernährungssouveränität meint das Recht aller Völker, Länder und Ländergruppen, ihre Landwirtschafts- und Ernährungspolitik selbst zu definieren. Es ist ein politisches Konzept, dessen Leitmodell auf die kleinbäuerliche Landwirtschaft baut. Selbstversorgung und regionaler Handel haben Vorrang vor Exporten und Welthandel. Das Konzept fordert unter Anderem die Achtung der Rechte von Bäuer*innen und Landarbeiter*innen, sowie das Menschenrecht auf Nahrung und soziale Gerechtigkeit.